heady vs. elber316
Mit Bobby deNiro im Euro-Headyland
Eigentlich wollte ich ja gar nicht hingehen. Zu tief noch saß die Scham und die Wut über die Ereignisse der letzten Oscar-Verleihung als mein hochsensibles Drama "Zeitschnitt", in dem es um einen querschnittsgelähmten Zeitreisenden ging, der verzweifelt in Braunau auf der Suche nach Hitlers Großmutter (genial: Sandra Maischberger) war, sang und klanglos gegen "Heady drives even more shotgun" (der den unsäglichen deutschen Titel "Jetzt erst recht - Heady tut's schon wieder" bekam) unterging. 8 Oscars sahnte er ab, wohl auch wegen der ca. 10 minütigen Tom-Cruise-und-Tom-Hanks-foltern-sich-gegenseitig-Sequenz, die wohl vielen Zuschauern eine innere Intifada, wie man auf neudeutsch sagte, war.Am Morgen vor der Eröffnung von Euro-Headyland rief mich dann allerdings good old Bobby deNiro an und überredete mich. Ich solle mich doch nicht so anstellen, es würde sicherlich lustig werden, Al Pacino habe Kontaktkleber aufgestellt, den krassen, aus Polen und Sir Anthony Hopkins würde sich um Plastiktüten und Dosenbier kümmern, es versprach also ein rauschendes Fest zu werden.
Also beschloß ich doch mich auf die Socken zu machen, es war ja auch ein Anlaß den man nicht verpassen sollte. Jack Nicholson hatte nach seinem Fernbleiben bei der Eröffnung von Headyland Florida ja auch keine wirklich ansehnliche Rolle mehr bekommen.
Gegen 10 Uhr fuhr Bobby in seinem Dodge vor. Er hatte noch Harvey Keitel und Christopher Lee dabei, was mir gar nicht gefiel, da Keitel so komisch roch und Lee mir dauernd etwas über Orks und Klonen und Endsieg erzählte.
Ich fragte Lee mehr aus Höflichkeit, ob die Gerüchte um LOTR-Episode Zero denn wahr wären und ob er wirklich der Onkel von Bruce Lee wäre, aber er wußte das nicht. Naja, er war ja auch schon alt. Die peinliche Stille unterbrach dann Bobby, der uns erklärte, daß wir noch kurz bei Glen Close vorbeifahren müßten, denn die hatte sich gestern Bobby's Dose ausgeliehen und die bräuchte man ja noch, denn Bobby hatte noch ein halbes Grämmer und das wollten wir uns vor der Einweihung noch "reingörnen". Christopher Lee und Harvey Keitel ließen wir dann aber doch bei Mrs.Close zurück, da sie ja doch etwas nervten und auch, wie bereits erwähnt, komisch rochen.
So gewappnet fuhren Bobby und ich dann Richtung Europa-Zentrum. Kurz vorher hielten wir dann noch mal an, versteckten uns in einem Gebüsch und rauchten Dose und tranken in hastigen Schlücken billigen Wein. Danach wankten wir zum Eingang, zeigten unsere Einladungen und machten uns auf die Suche nach "Tony Hopp" wie ihn Bobby immer wieder freundlich betitelte. Hopkins unterhielt sich gerade mit Meg Ryan oder Matt Damon, das war aus der Entfernung schlecht zu erkennen und kratzte sich immer wieder hinter dem rechten Ohr. "Tony Hopp gibt uns Zeichen" hauchte mir Bobby ins Ohr und zog mich hinter eine Zimmerpalme.
Ich sah mich von meinem Versteck aus ein wenig um. Es war wirklich alles versammelt was im Filmgeschäft Rang und Namen hatte. Ridley Scott und Steven Spielberg standen in einer Ecke und stachen Faxe-Dosen, Robin Williams hatte sich ein Kondom über den Kopf gezogen und versuchte es mit Hilfe seiner Nase zum Platzen zu bringen, Russel Crowe und Gwenyth Paltrow fingerhakelten es aus und Kevin Costner versuchte auf sich aufmerksam zu machen, ob denn keiner eine kleine Rolle für ihn hätte, gerne auch anspruchslos oder nackt, er könne auch bügeln und jonglieren, also bitte, bitte, er habe schrecklich Hunger und brauche Geld.
Und dann sah ich Heady. Er stand mit Will Smith, der immer noch 50 Kilo zuviel hatte und Michael Douglas an der Dosenbiertheke und lachte gekünstelt über Robin Williams, der lila angelaufen zu Boden gegangen war. Ich machte Bobby auf ihn aufmerksam und noch bevor ich etwas unternehmen konnte, war Bobby schon zu ihm gestürmt und brüllte ihn, sehr zum Unmut der Sicherheitsbeamten, an was er sich eigentlich dabei gedacht hätte ihm die Rolle des Taxifahrers im zweiten Teil vorzuenthalten.
Das wollte ich mir nicht antun, also ging ich zu Hopkins, der wieder alleine dastand und zusammen suchten wir Al Pacino. Als wir ihn gefunden hatten, hielt gerade Martin Scorseese eine Rede und lobte Heady in den höchsten Tönen, kein Wort verlor er mehr über den armen Elber, sein Drehbuch und auch der arme Usbeke, der so virtuos Kamera geführt hatte, blieb unerwähnt. Ich kam mir so benutzt vor. Gott sei Dank wirkte der Kleber nicht so lange und eh ich mich versah war mein Hollywood-Traum vorbei und ich saß wieder mit Heinz Hönig und Katja Riemann auf einer Waldlichtung, eine verklebte Tüte in der Hand und spürte mein Gehirn schmelzen.
Die Wirklichkeit war eben doch nicht so glamorös wie Hollywood.