Thomas Ponten
Als meine Mikrowelle fluxkompensieren lernte
TatsachenberichtWie lange hatte ich schon darauf gewartet? Endlich war es soweit. Mein Mann war beim arbeiten, die Kinder bei meiner Schwägerin und ich war bereit für mein großes Experiment. Im Baumarkt hatte ich mir 10m Kupferdraht, einen kleinen Elektromotor und mehrere Dosen Bier gekauft. Ich hätte zwar für die Isolierung auch die bereits vorhandenen, leeren Dosen nehmen können, aber bei einem so gewagten Experiment war es sicherlich nicht falsch, sich vorher ein wenig Mut anzutrinken. Nach dem ich die Bierdosen geleert, aufgeschnitten und die Fensterscheiben damit sorgfältig überklebt hatte, torkelte ich in die Garage und holte die Reste des Maschendrahtzaunes, den mein Mann erst letzte Woche verwendet hatte um eine Schneckenbarriere für die Salatbeete zu bauen. Mehrere Tomatenaufwachsfesthaltestöckchen (mir fällt momentan die richtige Bezeichnung nicht ein) sollten den Drahtkäfig stabilisieren. Aus der Schublade meines Schreibtisches holte ich meinen Taschenrechner, der als Fernsteuerung herhalten mußte und setzte neue Batterien ein. Das Plutonium war wie immer in der Wiege von Clarissa versteckt. Dann machte ich mich ans Werk. Erst baute ich aus dem Maschendrahtzaun und den TAFHS einen Drahtkäfig, den ich direkt unter dem Gewürzregal postierte. Dann schraubte ich die Mikrowelle auf und setzte das Plutonium ein. Letztendlich verband ich die Mikrowelle, den Taschenrechner und den Drahtkäfig miteinander, stellte die Mikrowelle auf 5 min. und setzte mich mit dem Taschenrechner in den Drahtkäfig. Nun mußte ich nur noch das gewünschte Datum eingeben und warten bis die Mikrowelle fertig war und schon würde meine Zeitreise beginnen.
Zuerst gab ich ein Datum im Mittelalter ein, aber dann fiel mir ein, daß es die Frauen im Mittelalter nicht unbedingt sehr viel besser hatten als heute. In die Zukunft wollte ich nicht, da mir die Zukunft irgendwie Angst machte und man ja nicht so genau wußte, wo man da letztendlich landen würde. Also beschloß ich in die nähere Vergangenheit zu reisen um vielleicht einen persönlichen Fehler wieder gut zu machen. Ich erinnerte mich, wie ich damals auf der Beerdigung meines Schwiegervaters laut lachen mußte, weil ich an etwas dachte, was Roseanne am Vortag gesagt hatte. Das hatte im Nachhinein meine Beziehung zur Familie meines Mannes doch schwer belastet. Aber das war doch etwas sehr banal und den Aufwand nicht gerechtfertigt. Eine einfache Entschuldigung und Erklärung würde das vielleicht ebenso schnell aus der Welt schaffen. Wie witzig Roseanne manchmal sein konnte, wußte ja sogar meine Schwiegermutter. Ich könnte auch einfach an den Tag der Geburt von Clarissa zurückreisen und dem Doktor sagen, daß ich vielleicht doch ganz gerne ein Schmerzmittel hätte. Das wäre den Aufwand dann auch wirklich wert. Die Mikrowelle war mittlerweile bei 2 Minuten angelangt und ich ärgerte mich, daß ich mir nicht vielleicht vorher schon Gedanken gemacht hatte. Jetzt gab es kein zurück mehr und ich hatte nur noch 2 Minuten Zeit um mir ein gutes Ziel zu überlegen. Hm, der Braten den ich vorgestern gemacht hatte war doch etwas sehr fad. Aber wenn die Presse hinter all das kommen sollte, fände ich die Schlagzeile
"Hausfrau reist rückwärts in der Zeit und würzt Braten neu"
etwas blöd. Ich könnte die Geburt Adolf Hitlers oder Diether Bohlens verhindern, aber man soll ja nicht in der Vergangenheit herumpfuschen, das weiß man ja aus zahlreichen....
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Um es kurz zu machen: Da ich vor dem Start der Zeitmaschine vergessen hatte, ein Datum einzugeben, brach das Universum in sich zusammen. Das Wahre wurde unwahr, das Unmögliche möglich und das Unendliche war vorbei. Es war ein heilloses Durcheinander. Ich räumte alles wieder in den Keller, schnappte mir ein paar Sagrotantücher und wischte die Materieflecken von der Anrichte. Dann tat ich so als wäre nichts gewesen und machte mich ans Essen zubereiten. Dabei überlegte ich mir wie man den Trockner und meinen Föhn vernetzen mußte um die Schreckensherrschaft der Schneckenmenschen wieder zu beenden.